Geschichte im Vest

Hexen im Vest

Der Hexenglaube hat in Recklinghausen seine Opfer gefordert, in reichlichem Maße gerade in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als die religiösen Wirren der Zeit Stadt und Land ergriffen.

Wie vielfach, so leistete die Erschütterung der öffentlichen Ordnung durch die Truchsessischen Wirren mit ihren Nachwirkungen und Drangsalen den Hexenverfolgungen besonderen Vorschub. Angst und Grimm gaben für alle Nöte den Hexen die Schuld.

Leider besitzen wir kaum Vernehmungsprotokolle. Die Rentmeister - Rechnungen verzeichnen lediglich Namen und Verpflegungskosten dieser »Zauberer«. Frauen und Männer, unter ihnen angesehene Bürger der Stadt, sind gefoltert und zum Tode verurteilt worden.

Dass habsüchtige Motive bei dem Verfahren eine Rolle gespielt haben, dafür gibt es Anzeichen. Der Glaube an das unheilvolle Wirken der "Hexen" saß unausrottbar vor allem in den unteren Volksschichten fest wie auch bei den nachgeordneten Behörden. Der Kurfürst dagegen verhängte über die Stadt Recklinghausen eine Strafe, als diese einige Hexenweiber nicht »relaxieren« wollte.

Die vestische Ritterschaft musste auf die allgemeine Stimmung Rücksicht nehmen, suchte aber eine Hinrichtung möglichst zu vermeiden. Die Hexen sollten sich nach einem erlassenen Proclema das Land verlassen, andernfalls auf ihre eigenen Kosten belangt werden. Unvermögende Hexen auf Kosten ihrer Nachbarn hinzurichten, wurde verboten (22.01.1595).

Letzteres geschah nämlich, und die Nachbarn konnten durch Pfändung zur Zahlung angehalten werden. Manchmal zahlten diese nicht mal ungern. Die Suderwicher, denen »viel durch Hexen geschehen«, erboten sich nach einer Hinrichtung, solche Kosten zu bezahlen.
Eine Exekution war nicht billig. Der Henker allein bekam 22 Taler. In einem Fall sind bei einem Verfahren gegen drei Zauberer über 100 Taler gefordert worden. [...]

Dr. Adolf Dorider: Geschichte der Stadt Recklinghausen (1577-1933). Vestisches Archiv, 1955/S.395

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